Über den Wert von Theorie

Theorie hat es sicherlich nicht leicht – sie steht in dem Ruf, praxisfern, unverständlich und nutzlos zu sein. Dies wird noch verstärkt durch den verbreitenden Glauben, dass die beste Zeit der Theorie sowieso schon vorbei sei: Theorie ist also tot.

All jene, die diese Einschätzung nicht teilen, finden in der ersten 2005er Ausgabe des Magazins n+1 eine ansprechende Passage über die französiche Theorie der letzten Jahrzehnte, die Freunden der Theorie aus der Seele sprechen sollte:

„Aber noch viel bezeichnender ist, dass Theorie die intellektuelle Funktion der Literatur ebenso übernahm wie die stilistische: Sie verfuhr mit der Sozialwissenschaft auf dieselbe Weise, wie es der Roman schon seit jeher getan hatte, mehr der befreienden Kraft wegen denn der strengen Treue zur Wissenschaft, und brachte die wilde Spekulation als den Weg zur individuellen Aufklärung ins Spiel. Theorie hat während einer ganzen Epoche die Arbeit des Romans erledigt […] Man stand von einem Buch wie diesem auf und war in der Lage, nahezu alles in der Zeitung und auf der Straße neu zu verstehen.“
(n+1 Research 2008: 69)

Dieses Zitat illustriert, welch inspirierendes, eröffnendes Potential in theoretischen Arbeiten steckt: neue Fragen werden gestellt, alternative Gedanken geformt bzw. angestoßen, bisher unbekanntes Gelände wird betreten und bekannte Elemente neu geordnet.

Die Zeitschrift diskurs stellt in der aktuellen Ausgabe mit dem Titel „Was kann Theorie?“ die Frage nach dem Wert von Theorie. Eine Antwort wäre ebenjene eröffnende, befreiende und aufklärende Dimension – weitere Antworten finden sich im neuen Heft von diskurs.

 

Literatur: n+1 Research (Hg.): Einen Schritt weiter. Die n+1 Anthologie, Frankfurt am Main 2008.

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