Call für DVPW-Panel: Die Praxis der Kritik und die Politik der Sicherheit

CfP: Panel des Arbeitskreises soziale Bewegungen auf dem DVPW-Kongress, 21.-25. September 2015, Universität Duisburg-Essen

Panelorganisation

Ingmar Hagemann, Universität Duisburg-Essen (ingmar.hagemann@uni-due.de)
Matthias Lemke, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg (lemkem@hsu-hh.de)
Henrik Schillinger, Universität Duisburg-Essen (henrik.schillinger@uni-due.de)

Panelbeschreibung

Sicherheit ist ein zentrales und weitestgehend unumstrittenes Gut in modernen Gesellschaften. Dies illustriert das Fallbeispiel der Terrorabwehr: Die als „Krieg gegen den Terror“ bezeichnete Erzählung, die das Bild einer umfassenden, jederzeitigen und radikalen Gefährdung der Sicherheit entwarf, ermöglichte im Zuge eines „Kampfes gegen den Terror“ die Plausibilisierung zahlreicher Maßnahmen der Einschränkung demokratischer Grund- und Freiheitsrechte durch Ausweitung von Kontrolle, Kategorisierung und Normierung. Als bisheriger Höhepunkt der Ausweitung von Exekutivkompetenzen können die Geheimdienstprogramme zur Überwachung gelten. Die Verheißung von mehr Sicherheit scheint bislang hinreichend, um diesen massiven Eingriff in die demokratische Praxis zu rechtfertigen.

Gerade im Bereich der Inneren Sicherheit wird deutlich, dass eine sich ausweitende Politik der Sicherheit in einem offenen Spannungsverhältnis zur Praxis der Kritik steht. Während eine auf Sicherheit ausgerichtete Politik das Ideal berechenbarer, unauffälliger und damit ruhiger BürgerInnen voraussetzt, ist die Praxis der Kritik nicht ruhig, sondern vielfältig, unübersichtlich, überraschend und übertritt oftmals bestehende Muster, Routinen und Regeln.

Das entscheidende Merkmal von Demokratie ist die Offenheit für Kritik. Das Spannungsverhältnis der Politik der Sicherheit zur Praxis der Kritik ist also auch das Spannungsverhältnis zur Demokratie.

Ziel des Panels ist die Präsentation von Forschungsergebnissen zur Praxis der Kritik in Demokratien mit expansiven Sicherheitsregimen. Mögliche Fragen sind unter anderem:

  • Was sind die sozialen Bedingungen einer aktiven, mitunter erfolgreichen Praxis der Kritik. Inwieweit werden diese durch eine Politik der Sicherheit beeinträchtigt?
  • Inwieweit verändern sich unter dem Vorzeichen einer expansiven Politik der Sicherheit demokratische Kernprinzipien wie bspw. die Idee des aktiven Bürgers, Privatsphäre oder demokratische Öffentlichkeit?
  • Welche expliziten Einschränkungen von Protesten können durch konkrete Maßnahmen einer Politik der Sicherheit beobachtet werden?
  • Was sind die Folgen der massiven diskursiven Präsenz einer Politik der Sicherheit für die politischen Aktivitäten von BürgerInnen?
  • Rechtfertigungsordnungen (wie bspw. das Primat der Sicherheit) und Kritik sind nach Boltanski eng miteinander verknüpft. Inwieweit lassen sich kritische Impulse als Ursprung einer Politik der Sicherheit herausarbeiten?
  • Lassen sich Sicherheit und Kritik in Demokratien vereinbaren?
  • Gibt es neben dem aufgeführten Fallbeispiel der Inneren Sicherheit in anderen sozialen Feldern weitere Varianten einer Politik der Sicherheit, die sich auf die Praxis der Kritik auswirken?

Wir sind insbesondere an Beiträgen interessiert, die empirische und theoretische Analysen kombinieren und / oder einen Ansatz wählen, der besonders innovativ und bislang in der Politikwissenschaft unterrepräsentiert ist.

Wir bitten bis zum 28.02.2015 um die Einsendung von Abstracts für Vorträge (max. 300 Wörter) an Ingmar Hagemann (ingmar.hagemann@uni-due.de). NachwuchswissenschaftlerInnen werden ausdrücklich ermuntert, Beiträge einzureichen. Über die Zusammensetzung des Programms wird bis Ende März 2015 informiert.

Die nächste Ausgabe der Zeitschrift diskurs (www.diskurs-zeitschrift.de) wird sich mit der Praxis der Kritik befassen. Ausgewählte Beiträge des Panels haben die Möglichkeit, im Rahmen dieser Ausgabe veröffentlicht zu werden.

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